Alles Zirkusnummern oder was? – Die Philosophie der Münchner Fußballschule

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Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren lernen besonders schnell im Bereich Technik, das ist sportwissenschaftlich nachgewiesen.

Deshalb sage ich: Über 100 Tricks, sämtliche Ballannahmen und Ballmitnahmen von hohen oder flachen Bällen, sowie alle Schuss- und Passtechniken sollten die Kinder bis zu ihrem 13. Lebensjahr können.

Jetzt sagen viele – warum so viele Tricks? Sollte das Spiel nicht zielgerichtet sein ohne diesen Firlefanz, ohne diese Zirkusnummern?

Schaut man sich die Spielweise von Barcelona an oder die des FC Bayern, zeigt sich, das Kurzpass-Spiel kommt ohne Tricks aus, geht es aber ins Eins gegen Eins entscheiden die Tricks das Spiel.

Auch DFB-Sportdirektor Hansi Flick betont mittlerweile, die deutschen Nachwuchskicker müssen gerade in den Basics besser werden, dazu gehören eben auch Tricks. Individualität müsse über dem Team stehen: „Ich möchte Spieler haben, deren Stärke das Eins-gegen-eins ist und die sich auch trauen, diese Qualität einzusetzen. Wer es schafft, seinen Gegenspieler auszuspielen, beschert seiner Mannschaft einen Riesenvorteil.“ (Der Tagesspiegel, 07.09.2015)

Geschicklichkeit durch Tricks

Jeder Trick verlangt ein unterschiedliches Bewegungsmuster und steuert die Muskulatur auf unterschiedliche Weise an. Damit entwickelt sich nicht nur die Koordination sondern auch die Geschicklichkeit der Kinder, Ball und Körper gleichzeitig zu kontrollieren.

Einfach gesagt, Ballgefühl entwickelt oder verfeinert sich. Das schafft die Grundvoraussetzung für sauberes Passspiel und präzise Torabschlüsse. Und das macht einen technisch guten Fußballer.

Leidenschaft entfachen durch Tricks

Wer besondere Fähigkeiten hat, erntet Anerkennung. Und Anerkennung ist bekanntlich der Motor unserer Motivation. Tricks bringen Anerkennung und Spaß – viele Kinder üben sie deshalb auch in ihrer Freizeit, das erzielt einen zusätzlichen Effekt in der Technik.

In unserem Training verbinden wir Tricks mit Ballannahmen und Ballmitnahmen und anschließendem Torschuss – das steigert das technische Niveau enorm.

100 Tricks im Spiel?

Natürlich lernt man nicht 100 Tricks um später 100 Tricks im Spiel anzuwenden. Die Spieler spezialisieren sich auf ungefähr drei bis vier Tricks mit Varianten je nach Spielsituation. Herrlich anzusehen ist das bei Douglas Costa, Neuzugang beim FC Bayern. Er ist bekannt für sein Tempo und seine Tricks. Der „Elastico“ oder der einfache „doppelte Übersteiger“ haben Bayerns Ballbesitz-Spiel in engen Situationen unterstützt und sogar zu Toren geführt.

Sind Tricks vielleicht doch nicht so überflüssiges Zeug, wie viele meinen?

Eine gute Fußballzeit! Michi Schuppke

Michi Schuppke ist zusammen mit David Niedermeier Inhaber der Trainingsplattform MFSFussballtraining.TV und der Münchner Fussball Schule. Der Diplomsportwissenschaftler besitzt die A-Lizenz und ist darüber hinaus Rehatrainer beim TSV 1860 München.

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