Leistungsdruck im Kinderfußball

© Bits and Splits|Fotolia.de
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Hallo liebe Leser,

in meinem heutigen Artikel geht es um das Thema Leistungsdruck im Kinderfußball! Wer kennt sie nicht, die schreienden und tobenden Eltern am Spielfeldrand, die der Meinung sind sie feuern Ihre Kinder an. Angestachelt von den Zuschauern fetzen die Kleinen wie wild über den Platz und wenn Papa oder der Trainer lauthals schreit wird noch eine Schippe draufgelegt. Schon an diesem Punkt erzeugen die Erwachsenen für die Kinder eine gewisse Drucksituation, die lautet: „Ich muss laufen und gut spielen damit Mama und Papa auch zufrieden sind…“ Das mag kurzfristig vielleicht sogar funktionieren. Auf Dauer handeln wir hier aber meiner Meinung nach kontraproduktiv.

Drehen wir doch mal die Zeit mal ein paar Jahre zurück. Soweit ich mich erinnere hatte ich in meiner Kindheit nicht viele Termine. Nach der Schule mit Freunden raus auf den Bolzplatz und bis zum Sonnenuntergang gekickt. Von den Eltern weit und breit keine Spur! Fußball war Spaß und keine Pflichtveranstaltung! Terminkalender Fehlanzeige. Kein Leistungsdruck, kein Muss, nichts…. Ich konnte und durfte einfach nur Fußballspielen!

Wenn ich mir die Situation der jungen Kicker heute ansehe, so muß ich leider eine Entwicklung feststellen die mich nachdenklich stimmt. In der heutigen Leistungsgesellschaft wird unser Nachwuchs im Sinne einer „guten Erziehung“ minutiös verplant. Das ganze läuft dann natürlich unter der ständigen Kontrolle der Eltern ab! Zeit zum Spielen bleibt da kaum! Aus dem Kind soll ja was werden! Unsere Kids müssen in der Schule funktionieren, sie müssen zum Nachhilfeunterricht, sie müssen dies, sie müssen das und ja sie müssen sogar auf dem Fußballplatz funktionieren. Meine ganz klare Meinung dazu: NEIN, MÜSSEN SIE NICHT!

Ein hoher Leistungsdruck ist in vielen Vereinen und Mannschaften bereits in jungen Jahren gegeben. Wenn man das Geschehen auf und am Fußballplatz aufmerksam verfolgt dann nimmt man zur Kenntnis, das überwiegend negative Feedbacks von den Eltern kommen. „Warum hast Du das Tor nicht geschossen?“ „Was ist denn heute bloß los mit Dir?“ Wer Kinder unter Druck setzt der handelt kontraproduktiv, denn Druck erzeugt Angst und hemmt die Leistungsfähigkeit. Im schlimmsten Falle nimmt man dem Kind sogar die Motivation und die Lust weiter Fußball zu spielen!

Wie sieht das bei mir in der Praxis aus? Das Training wird von mir bewusst anspruchsvoll aufgebaut, so dass die Kinder auch mal Fehler machen. Ja richtig, sie sollen Fehler machen! Denn nur aus Fehlern können wir einen optimalen Lerneffekt erzielen! Das alles Entscheidende für mich als Trainer ist aber dann, wie ich mit den Fehlern umgehe! Die Weiterentwicklung erreiche ich in diesem Punkt nur mit einer positiven Ansprache und sachlicher und kindgerechter Hilfestellung! Ein Kind gibt im Gegensatz zu manch Erwachsenen immer sein Bestes und es an diesem Punkt zur Schnecke zu machen ist wohl das Sinnloseste was man tun kann, aber trotzdem halten sich viele Trainer oder Eltern nicht wirklich daran!

Noch extremer als im Training verhält sich die Situation im Spiel! „Papa sagt bleib hinten, der Trainer sagt spiel mit nach Vorne“ Was ist denn nun richtig? Wir produzieren hier eine unnötig hervorgerufene Stresssituation für einen 8-Jährigen, welche zum Ergebnis führt dass dieser völlig irritiert auf dem Fußballplatz herumläuft und dabei das Wesentliche vergisst: „Mit Spaß und Freude Fußball zu spielen…!“ Der Trainer sollte aber hier zwingend derjenige sein, der das Sagen hat! Alles andere funktioniert an dieser Stelle leider nicht! Habt hier als Trainer auch mal den Mut das direkt anzusprechen!

Mein Tipp: Seht nicht alles so verbissen! Die Kinder machen das schon, und ich bin der Meinung dass sie es mit weniger Einflüssen von aussen noch viel besser machen würden als sie es ohnehin schon tun! Leistungsdruck wird im Alltag schon zu genüge aufgebaut! Dann bitte nicht noch auch auf dem Fußballplatz, denn Spass schließt ja den Lernerfolg nicht aus!

4 Kommentare zu Leistungsdruck im Kinderfußball

  1. Klasse Kommentar… bin voll bei Dir.
    Es ist echt erschreckend, was aus den Vereinen heute geworden ist…
    Es nennt sich heute „Leistungsmannschaft“ und Breitensport!!!??
    Als ich den Trainer der Leistungsmannschaft dann fragte was denn der Unterschied ist bei den kleinen Kindern (7-8 jährigen) zwischen Leistungsmannschaft und zweiter oder dritter Kindermannschaft etc., da kam die Antwort, in der Leistungsmannschaft spielt das Kind auch um die Kreismeisterschaft und steht auch mal in der Zeitung…!!?
    Ich war begeistert von der Aussage… das was sich ein 8 jähriges Kind immer schon gewünscht hat… „in der Zeitung zu stehen“, bei den vielen Zeitungslesern in meiner U-8 habe ich dann allen Eltern empfohlen, Ihre Kinder unbedingt in die Leistungsmannschaft zu stecken…
    – mit den restlichen Kindern haben wir weiterhin SPASS am Fussball… 🙂

  2. Super Beitrag, in vielen Punkten gebe ich dir recht!
    Aber es sieht ja in der Realität so aus, das viele Mannschaften mit 20-30 Kinder trainieren. Leistungstarke Kinder werden durch das gemeinsame Training unterfordert und verliehren da durch die Lust, weil die in der Schulepause und im Strassenfussball viel mehr lernen als in den großen Gruppen.
    Klar kommt es in Vereinen zu gute wenn Ihre Mannschaft um die Stadtmeisterschaft spielen, wenn die Kinder sich in der Zeitung sehen.Die freuen sich doch. Und das vereine bzw. Trainer das nicht sehen dass die eine Leistungsmanschaft haben und dem entsprechen ihr Training und Mannschaftgrösse umstellen müssen.

    Dann spielen halt Spieler die nicht so ausgeprägt sind mal in der 2,3 oder 4ten Mannschaft.

  3. Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Wir haben unsern Jungen zum Kinderfußball angemeldet. Wenn er sich dem Druck nicht stellen will muss er es auch nicht. Wir lassen es ihn selbst entscheiden.

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