Ist Futsal wirklich die Zukunft des Hallenfußballs oder doch eine eigene Disziplin?

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Hallo liebe Freunde der Soccerkiste,

ich bin nun im vierten Jahr Jugendtrainer und jedes Jahr stellt sich in der Winterzeit die gleiche Frage! Hallenfußball oder Futsal? Vor ein paar Tagen endete auf unserer Facebook-Fanpage eine Umfrage zu diesem Thema. 71% der teilnehmenden Personen stimmten hierbei für Hallenfußball! Ein Ergebnis das mich nicht sonderlich überrascht! Die Aufregung unter Jugendtrainern und Amateurkickern ist wie jedes Jahr sehr groß wenn es um diese Frage geht. Oder stellt sich die Frage eigentlich gar nicht? Bei uns im Bayrischen Fußballverband werden alle offiziellen Hallenmeisterschaften in der Futsal Version ausgetragen, was bei vielen Vereinen für schlechte Stimmung oder gar Absagen sorgt.

Der klassische Budenzauber – Action und Spektakel pur

Ich für meinen Teil bin 1980 geboren und stamme somit aus einer Generation, in der der klassische Hallenfußball gefühlt seine Hochzeit hatte. Unvergessen bleiben für mich Jugendturniere, bis tief in die Nacht,  in denen uns als Mannschaft einige Sensationen gelungen sind. So kann ich Siege unter anderem gegen den VfB Stuttgart, Hertha BSC, Slavia Prag zu meinen Erfolgen zählen…. Volle Hallen mit über 1000 Menschen, Rundumbande, actiongeladene Spiele, technische Kabinettstückchen und Tore, Tore, Tore…. Natürlich fällt somit auch meine persönliche Meinung zu diesem Thema nicht ganz objektiv aus, da ich den Budenzauber zu aktiven Zeiten als Abwechslung zu Fußball auf dem Feld sehr gerne gespielt habe, auch wenn die Verletzungsgefahr höher war als auf dem Rasen!

Grundsätzliche Vorteile des Hallenfußballs und die Praxis

Der Hallenfußball im allgemeinen bietet unseren Kindern viele Möglichkeiten sich zu verbessern. Durch kleinere Teams und das kleinere Feld kommen die Spieler zu mehr Ballkontakten, Torabschlüssen und vielen 1:1 Situationen. Das macht den Kids natürlich Spaß und zudem fördern wir dadurch technische Komponenten, wie zum Beispiel Ballan- und Mitnahme, das Austesten von Finten im 1:1 Spiel oder einen kreativen Torabschluss. Hallenfußball ist sehr laufintensiv, es erfordert also eine hohe Konzentration und schnelles Umschaltspiel. So bietet sich meiner Meinung nach einen sehr großer Lerneffekt für unsere Nachwuchsfußballer! In der Praxis ist es aber leider oft so, dass der Trainer einer körperlich stärkeren Mannschaft das Spiel der technisch überlegenen Mannschaft bewusst „zerstören“ lässt, indem er eine härtere Gangart vorgibt. Das bringt dann natürlich niemanden etwas, sorgt für Frust bei den Kindern und führt im schlimmsten Fall auch zu Verletzungen. Daher appeliere ich auch an dieser Stelle an Euch: „Stellt das Ergebnis in den jüngeren Jahrgängen erstmal hinten an und versucht die Jungs Fussball spielen zu lassen“ Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es diesbezüglich nichts schöneres gibt, als ein Spiel zweier Mannschaften die versuchen technischen Fußball zu spielen und viele Tore zu erzielen! Ob das Match dann am Ende 5:5 oder 4:5 ausgeht, das haben zumindest die Kids in Ihrer Unbekümmertheit, spätestens nach dem Turnier schon wieder vergessen!

Löst Futsal nun wirklich die Nachteile des klassischen Hallenfußballs?

Mit Futsal wird nun versucht die Nachteile, die der klassische Hallenfußball natürlich auch bietet, zu lösen. So ist der Ball sprunggedämpft und auch kleiner, was als Trainingseffekt zum Schulen der technischen Fertigkeiten durchaus sinnvoll angewandt werden kann. Zudem ist das Grätschen nur erlaubt um einen gegnerischen Schuss abzublocken, was ausschliesst, dass eine Mannschaft mit übertriebener Härte seinen Gegner zermürbt. Was mir persönlich an Futsal nicht gefällt, dass ohne Bande gespielt wird. Meiner Meinung nach macht dies nur Sinn, wenn die Spieler im technischen Bereich schon entsprechende Fähigkeiten besitzen. Sind diese Fähigkeiten nicht gegeben, gibt es zuviel Spielunterbrechungen und der Spielfluss bleibt ein bisschen auf der Strecke! Die Folge der vielen Unterbrechungen und der kleinen Tore, sind  in der Praxis oft viele Spiele die 0:0 enden, was natürlich wiederum frustrierend für die Kinder ist. Mir persönlich ist eben ein 5:5 lieber als ein 0:0 da meine Spieler so zu Erfolgserlebnissen kommen und auch Spaß am Spiel haben!

Ich sehe Futsal durchaus als interessanten Teil meiner Trainingsarbeit mit den Kindern, aber auch ein Stück weit als eigenständige Disziplin! Eine ganzheitliche Ausbildung der Spieler kann ich nicht nur mit Futsal-Training bewerkstelligen.  Daher nehmen wir mit unserem Team sowohl an der Futsalrunde, als auch an klassischen Hallenturnieren teil, um die vielen Facetten die der Hallenfußball bietet aufzuzueigen. Die Möglichkeit bietet sich ja, da neben der Verbandsrunde die meisten Privatturniere aufgrund der fehlenden Akzeptanz der Vereine als klassische Hallenfußballturniere angeboten werden!

Mein Fazit: Anstatt den Vereinen die Futsalrunde aufzuzwingen sollten Verbände darüber nachdenken ob es nicht geschickter wäre die Vereine bzw. Mannschaften zu freiwilligen Futsalturnieren zu bewegen! Hier könnten sich dann auch wirklich die Spezialisten tummeln. Ansonsten bleibt es wohl bei der aktuellen Situation dass nicht wirklich Futsal sondern klassischer Hallenfußball ohne Bande auf Handballtore gespielt wird! Grundsätzlich bleibt für mich aber Fußball ein Sport, der an die frischen Luft auf den Rasen gehört! So bin ich dann jedes Jahr, sowohl damals als Spieler als auch jetzt als Trainer, doch wieder froh wenn der Ball wieder auf dem „Grün“ rollt…!

Euer

Christian Schalk

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